Im Höhenzug Asse, nahe der Ortschaft Remlingen im Landkreis
Wolfenbüttel liegt das „Forschungs“-Bergwerk Asse II, in dem in den
´60er und ´70er Jahren Atommüll eingelagert wurde - vorgeblich nur
zu Versuchszwecken.
Aber, diese Versuche sind zu Ende und der Müll noch immer in der
Grube. Seit 20 Jahren dringt Lauge in das angeblich so „standsichere
und trockene Lager“. Nun soll das Bergwerk geflutet werden – mit
dem gesamten eingelagerten Atommüll.
Zeittafel
- 1906 bis 1964 - wirtschaftliche Salzgewinnung
- 1965 - Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) erwarb im Auftrag des Bundes
– gegen massiven örtlichen Widerstand - das Bergwerk, um dort Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle durchzuführen. Zu diesem
Zeitpunkt hatte Asse II schon massive Probleme mit Wassereinbrüchen.
- 1967 bis 1978 - Fässer mit schwach- (LAW) und mittelradioaktivem Abfall (MAW) wurden eingelagert.
- Ende 1978 - Aufgrund der Novellierung des Atomgesetzes und des Auslaufens alter Genehmigungen
endete die Einlagerung von Atommüll. Ein Planfeststellungsverfahren nach Atomrecht
wurde eingeleitet aber nie zu Ende geführt.
- seit Anfang
der `70er - Verschiedene Bürgerinitiativen, Vereine, politische Gruppen und der damalige 2. stellv.
Landrat Stoevesand (FDP) klagen gegen die Einlagerung und fordern Atomrecht
- 1979 - Der Dipl.-Ing. Hans-Helge Jürgens warnt in einer wissenschaftlichen Arbeit vor
mangelnder Standsicherheit und beschreibt die Möglichkeit von Wassereinbrüchen.
- seit 1988 - Es laufen täglich 11.500 Liter Salzlauge in die Südflanke des Bergwerks. Der Ursprung ist
bis heute ungeklärt.
- August 1995
bis April 2004 - Verfüllung der Südflanke mit Rückstandssalz zur Erhöhung der Standsicherheit des
Grubengebäudes.
- seit 2002 - Das „nasse“ Schließungskonzept mit Magnesium-Chlorid-Lösung (MgCl2)wird vom
Betreiber entwickelt und vorangetrieben.
- seit 2005 - Verfüllung des Tiefenaufschlusses von 950m bis 775m mit Salzgrus und MgCl2-Lösung.
- Januar
2007 - Der Betreiber reicht den Abschlussbetriebsplan (nach Berg
recht) beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie
(LBEG) ein, um das Bergwerk „nass“ zu verfüllen.
- April
2007 - Das LBEG fordert Ergänzungen des
Abschlussbetriebsplanes.
- 23.4.07 - Die Tischlermeisterin Irmela Wrede klagt auf ein
atomrechtliches Schließungsverfahren.
Radioaktives Inventar
(wurde 2002 nachträglich anhand von Lieferlisten errechnet)
| LAW |
MAW |
| 124.494 Fässer |
1.293 Fässer |
| 725m & 750m Sohle |
511m Sohle |
| 12 Kammern |
1 Kammer |
| 2,8E+15 Bq bei der Einlagerung |
5E+15 Bq bei der Einlagerung |
| 1,9E+15 Bq (Stand 1.1.2002) |
1,2E+15Bq (Stand 1.1.2002) |
| 102 t Uran |
150 kg Uran |
| 87 t Thorium |
3 kg Thorium |
| 11 kg Plutonium |
0,6 kg Plutonium |
Die LAW-Fässer wurden anfangs gestapelt, der überwiegende Teil
später in die Abbaukammern verstürzt und mit Salzgrieß überdeckt.
Die MAW-Fässer wurden durch einen Schieber von der 490m Sohle in
ihre Kammer auf der 511m Sohle mittels eines Krans herabgelassen.
Sicherheitsprobleme
Nahezu jedes Salzbergwerk hat aufgrund seiner
Hohlräume mit der Standsicherheit, meist auch mit
Wassereinbrüchen zu kämpfen. In Asse II läuft seit 20
Jahren kontinuierlich Lauge ein, deren Ursprung bis
heute ungeklärt ist. Mit der Begründung, dass das
Abdichten dieses „Lecks“ nicht gelingt und die
dauerhafte Standsicherheit des Grubengebäudes
angezweifelt werden muss, propagiert die
Betreibergesellschaft GSF (eine Tochter des Bundes)
die bewusste Flutung des Bergwerks - inklusive des
Atommülls! Zuvor war den AnwohnerInnen
jahrzehntelang eine trockene Lagerung zugesichert
worden.
Klar ist, dass im Falle der Flutung, die
Atommüllfässer innerhalb von 10 bis 100 Jahren
vollständig zersetzt werden, so dass Radionuklide in
Lösung gehen. Die dadurch radioaktiv gewordene
Flüssigkeit wird dann durch den Gebirgsdruck aus
dem derzeitigen Grubengebäude ausgepresst und
gelangt in die tieferen Salzwasserschichten. Diese
Schichten ziehen sich von Magdeburg bis Hildesheim,
vom Harzrand bis nach Lüneburg. Auch vor Ort
existieren viele Salzwasserquellen, die das
kontaminierte Salzwasser von den Atommüllfässern
an die Oberfläche und somit in die Biosphäre
transportieren könnten. Bleibt die Frage: Wie schnell
und wie viel radioaktives Material wird über diesen
Weg in die Biosphäre gelangen?
Alternative Konzepte wie die Verfüllung mit festen
Stoffen bzw. Gelen oder gar die Rückholung des
Atommülls werden nicht in Betracht gezogen. Als
Begründung wird eine Studie des Leipziger Institutes
für Geowissenschaften angeführt, derzufolge die
Standfestigkeit des Grubengebäudes nur bis 2014
vorhanden sei. Die Offenlegung der Quelle wird
jedoch immer wieder verhindert. In der fachlichen
Auseinandersetzung um Asse II sollte
selbstverständlich werden, dass Behauptungen kein
Ersatz für Fakten und Wissen sind. Das erfordert, dass
alle Akteure den gleichen Zugang zu den
grundlegenden Fakten und Unterlagen haben.
Forderungen – „Relminger Erklärung“
- Die Asse II ist kein normales Bergwerk, sondern
Deutschlands größtes bestehendes Atommülllager.
- Das Deckgebirge der Asse ist weder dicht noch
stabil noch trocken, die Gesteinsbewegungen
nahmen unerwartet stark zu und seit 1988 fließen
täglich 12 Kubikmeter Wasser in den Schacht. Der
Atommüll lässt sich nicht dauerhaft vor
unkontrollierten Zuflüssen schützen. Aus dieser Not
heraus wollen die Betreiber das Bergwerk flüssig
verfüllen und den Atommüll nicht rückholbar sich
selbst überlassen. Dieser Plan nimmt die Auflösung
der Verpackungsgebinde und die Verseuchung des
Grundwassers durch austretende Radionuklide
innerhalb weniger Jahre bewusst in Kauf.
- Wir fordern, Asse II nicht per Flutung stillzulegen.
Der Atommüll muss rückholbar bleiben. Alle
notwendigen Maßnahmen für eine mögliche
Rückholung sind umgehend im Detail zu planen
und genehmigungsrechtlich abzusichern. Damit die
Rückholung möglich bleibt, muss das Bergwerk
sofort stabilisiert werden.
- Parallel dazu müssen in einem öffentlich
nachvollziehbaren Prozess schnellstens alle
Alternativen zur Flutung und zur Rückholung
entwickelt und bewertet werden. Die Risiken
müssen von unabhängigen Fachleuten analysiert
und die Untersuchungsmethoden und -ergebnisse
öffentlich gemacht werden.
- Grundlage für alle Planungen und Entscheidungen
muss das Atomrecht mit seinen spezifischen
Regelungen sein, insbesondere im Hinblick auf die
Öffentlichkeitsbeteiligung.
- Da die Bundesregierung bislang nicht gewillt ist,
das Atomrecht anzuwenden, unterstützen wir die
Klage der Asse-Anwohnerin Irmela Wrede und
tragen zur finanziellen Absicherung über den Asse-
II-Rechtshilfefonds bei.
- Die katastrophalen Erfahrungen mit Asse II müssen
Konsequenzen für den weiteren Umgang mit der
Atomenergie haben. Wer diese Erfahrungen ernst
nimmt, kommt um die Erkenntnis nicht herum, dass
eine weitere Produktion von Atommüll
grundsätzlich nicht zu verantworten ist.
Mehr Informationen
Internetseiten
Aktion Atommüllfreie Asse
www.aaa-wf.de
Asse II - Koordinationskreis
www.asse2.de
aufpASSEn e.V.
www.aufpassen.org
Betreiber des Endlagers
www.gsf.de/asse
...unterstützen
Neben der Mitarbeit bei den untenstehenden
Organisationen können Sie unsere kritische Arbeit
zum Atommüll-Lager auch durch eine Spende
unterstützen:
Kontoinhaber: Asse-II-Rechtshilfefonds
Kontonummer: 112 723 3000
Bankleitzahl: 269 910 66
Kreditinstitut: Volksbank Braunschweig/Wolfsburg
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