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Beim niedersächsischen Elbedorf Gorleben befinden sich im Landkreis Lüchow
Dannenberg (Wendland) zwei oberirdische Zwischenlager für radioaktiven Müll, eine
Konditionierungsanlage und ein Erkundungsbergwerk für ein Endlager. Gorleben wurde
am 22.2. 1977 als Standort für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“
benannt. Der Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage konnte durch den fantasievollen
Anti-Atom-Widerstand im Wendland verhindert werden. Seit 1983 wird
schwach-mittelradioaktiver Müll und seit 1996 hochradioaktiver Müll in sogenannten
Castor-Behältern in den Zwischenlagern abgestellt.
Das Erkundungs-
bergwerk
befindet sich
in einem
Salzstock,
der sich
unter der
Elbe hindurch
bis ins
Bundesland
Brandenburg
erstreckt.
Der Salzstock
in seiner
geologischen Strucktur
Zeittafel
- 1976 hat sich der damalige niedersächsischer Ministerpräsident Ernst
Albrecht (CDU) ausschließlich aus politischen Gründen für Gorleben als Standort eines
Nuklearen Entsorgungszentrums" entschieden. Dies ist keine These, denn 17 Jahre
später berichtete der damalige Vizepräsident des niedersächsischen Landesamtes für
Bodenforschung, Prof. Gerd Lüttig, wie es zur Standortbenennung Gorlebens kam.
Ministerpräsident Albrecht war verärgert und äußerte gegenüber dem Professor,
Die DDR hat uns mit dem Endlager Gorleben so geärgert, jetzt ärgern wir mit
Gorleben zurück. Geografischer Hintergrund: Morsleben liegt unmittelbar an der Grenze zur
Bundesrepublik, Gorleben nur 2 Km von der ehemaligen DDR-Grenze entfernt. Zur damaligen
Zeit hätten bei einer atomaren Katastrophe in Gorleben allein in einem Radius von 30 Km
über 70 Prozent der betroffenen Menschen in der DDR gewohnt.
- 1986 wird mit den ersten Arbeiten begonnen. Schacht 2 ist bis auf 840 m
abgeteuft.
- 1997 hat der Schacht 1 die Endtiefe von 933 m erreicht.
In Gorleben werden nun Strecken von insgesamt ca. 25 km Länge in den Salzstock getrieben,
um weitere Untersuchungen vornehmen zu können. Die Bundesregierung rechnet für das
Endlager Gorleben mit Gesamtkosten von 4,58 Mrd. DM bis zur Inbetriebnahme.
- 2000 In diesem Jahr wird die Erkundung durch den Energiekonsens der
rot-grünen Bundesregierung mit den Stromkonzernen gestoppt. Das nun beschlossene
Moratorium ist Bestandteil des Rot-Grünen Ausstiegskonzepts. Dieses Moratorium ist aber
nicht mit planerischen Mängeln und den katastrophalen geologischen Befunden begründet.
So ist zu befürchten, dass Gorleben selbst bei einer weiteren Endlagersuche Favorit
bleiben würde. Längstenfalls dauert das Moratorium bis 2010 an, kann aber jeden Moment
aufgehoben werden.
Sicherheitsprobleme
Die Eignung des Gorlebener Salzstocks, der ab dem Jahr 2030 als Endlager für
alle Arten von Atommüll dienen soll, wird seit Jahrzehnten von namhaften Geologen
bestritten. 1987 kracht ein Schacht fast zusammen, permanente Wassereinbrüche beim
Abteufen begleiten den Ausbau des Endlagers, das als Erkundungsbergwerk
getarnt bisher nach Bergrecht und damit unter rechtlichem Ausschluss der Öffentlichkeit
vorangetrieben wurde. Lediglich der in seinen Salzrechten tangierte Atomkraftgegner Graf
Bernstorff konnte von seinem Klagerecht Gebrauch machen. Inzwischen ist mit der Salinas
Salz GmbH ein wirtschaftlich ernstzunehmender Gegenspieler zum Endlagerbau auf dem Plan.
Über dem Salzstock fehlt auf über 7,5 Quadratkilometern ein schützendes Deckgebirge.
Es ist löchrig und teilweise gar nicht vorhanden. Das bedeutet, dass über unterirdische
Wasserwege auf Dauer todbringende radioaktive Isotope in die Biosphäre gelangen werden.
Deshalb sprechen wir von einem Atommüllklo mit Wasserspülung nach oben.
Niemand würde so etwas in seinem Haus einbauen, oder?
Es ist bekannt, dass Salz in Kontakt mit stark Wärme entwickelndem radioaktiven Müll
reagiert. Es spaltet sich so auf, dass sich Natrium und Chlorgas separieren. Chlorgas
sollte nicht an Wärmequellen gelagert werden. Prof. Den Hartog, von der Universität
Groningen fand bereits vor Jahren heraus, dass es zu weiteren chemischen Rückreaktionen
bis hin zu einer unberechenbaren Kette von Explosionen in den sogenannten Voids kommen
kann. Die Niederlande haben deshalb schon in den Neunziger Jahren von Endlagerplänen in
Salz Abstand genommen.
Prof. Dr. Eckhard Grimmel von der Universität Hamburg, der lange Zeit Gorleben als
Geologe untersuchte warnt neben den Wasser führenden Schichten und dem Fehlen einer
Barriere vor der Mobilität des Salzstocks. Der Salzstock erstreckt sich unter der Elbe
bis zum Ort Rambow. Er ist an einigen Stellen eingestürzt. Dort entstanden dadurch
bereits Seen, die touristische Attraktionen sind. Da das Deckgebirge als wirksame Barriere
gegen die Ausbreitung langlebiger Radionuklide weitgehend ausfällt, müsste der Salzstock
alleine die gesamte langfristige Sicherheitslast tragen. Denn die
eingelagerten Behälter stellen keinerlei Schutz dar, weil sie in dem aggressiven Medium
Salz korrodieren. Der Salzstock Gorleben ist deshalb weder kurz- noch langfristig für die
Endlagerung von hochradioaktivem Müll geeignet. Prof. Dr. Eckhard Grimmel hat ab 1980 den
Deutschen Bundestag über Möglichkeiten der Entsorgung radioaktiver Abfälle beraten. Er
warnt in seinem neuen Buch
Kreisläufe der Erde (ISBN: 3-8258-8212-8) vor einem Gorlebener Endlager:
Seit 1984 steht fest, dass dieser Salzstock als Endlager ungeeignet ist.
Grimmel fasst zusammen: Der Salzstock ist nicht durch eine hinreichende mächtige
und lückenlose Tondecke von den wasserführenden Schichten abgeschirmt. Der Salzstock ist
nicht in Ruhe und steigt noch weiter auf. Der Salzstock hat durch Salzauflösung bereits
einen großen Teil seiner Substanz verloren und wird noch weiter abgelaugt. Darüber
hinaus ist zweifelhaft, ob Salz grundsätzlich für die Endlagerung hochradioaktiver
Abfälle geeignet ist. Durch unkontrollierbare Reaktionen des Salzes (Radiolyse),
initiiert durch Wärmeeintrag und Strahlung, ist die Stabilität des Salzstocks
zusätzlich gefährdet.
Grimmel empfiehlt, die Gorlebener Zwischen- und Endlagergebäude in ein
Niedersächsisches Museumsdorf für technische Fehlentwicklungen des 20.
Jahrhunderts umzuwandeln. Dort könnte die Gefährdung der Biosphäre durch den
sogenannten Kernbrennstoffkreislauf dargestellt, erläutert und dokumentiert
werden. Dieser Empfehlung schließen wir uns an. Allerdings müsste die Castor
Zwischenlagerhalle, die laut Betreiber nur ein Wetterschutz ist, noch abgedichtet werden,
bevor sie als Museum dienen könnte.
Zum Gorlebener Atomkomplex gehören weitere Anlagen. Ein Zwischenlager für schwach bis
mittelradioaktiven Müll, ein Zwischenlager für hochradioaktiven Müll und eine
Konditionierungsanlage, die nicht in Betrieb ist. Das Zwischenlager für hochradioaktiven
Müll ist bekannt durch die Transporte von Castor-Behältern, die regelmäßig von der
entschlossenen Bevölkerung trotz martialischer Polizeiaufgebote blockiert werden. Jeder
Transport in das Zwischenlager macht Gorleben als Endlagerstandort wahrscheinlicher.
Obwohl ein Moratorium verhängt wurde, rollen die Transporte und schaffen einen unnötigen
Sachzwang auf ein Endlager Gorleben.
Betreiber des Erkundungswerkwerkes
Bundesrepublik Deutschland bedient sich der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für
Abfallstoffe mbH (DBE)
Weiterführende Berichte, Presseartikel und Gutachten:
Ausführliche
Zusammenstellen zum Thema Gorleben
Weitere Informationen:
- Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V.
Drawehnerstr.3
29439 Lüchow
Tel. 05841-4684 Fax 3197
mail:
www.bi-luechow-dannenberg.de
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